Schwerpunkt Sezessionskriege 1850 bis 1890
Diorama-Modellbau
Der Amerikanische Sezessionskrieg (1850 bis 1890)
Die Bezeichnung Sezessionskrieg bezieht sich vor allem auf den Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865, dessen Ursachen jedoch weit in die 1850er-Jahre zurückreichen. Die Vereinigten Staaten waren zu dieser Zeit zunehmend zwischen einem industrialisierten Norden und einem überwiegend landwirtschaftlich geprägten Süden gespalten. Im Mittelpunkt des Konflikts stand die Frage der Sklaverei, insbesondere ihre Ausweitung in die neu erschlossenen Gebiete und Bundesstaaten. Hinzu kamen grundlegende Auseinandersetzungen über die Rechte der einzelnen Bundesstaaten und die Macht der Bundesregierung. Die Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten 1860 verschärfte die Krise. Zwischen Dezember 1860 und Frühjahr 1861 traten insgesamt elf Südstaaten aus der Union aus und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika.
Der eigentliche Krieg begann am 12. April 1861 mit dem Angriff konföderierter Truppen auf Fort Sumter in South Carolina. Auf der einen Seite standen die Unionstruppen der Nordstaaten, auf der anderen die Armeen der Konföderation. Anfangs ging es für die Regierung unter Lincoln vor allem darum, die Union zusammenzuhalten. Im Verlauf des Krieges wurde die Abschaffung der Sklaverei jedoch zu einem zentralen Kriegsziel. Mit der Emanzipationserklärung von 1863 erklärte Lincoln die versklavten Menschen in den Gebieten der Konföderation für frei, und rund 200’000 Afroamerikaner dienten schliesslich in den Streitkräften der Union. Der Krieg wurde damit nicht nur zu einem Kampf um die politische Einheit der Vereinigten Staaten, sondern auch zu einem grundlegenden Konflikt über die Zukunft der Sklaverei.
C.S.A. – The Confederate States of America
U.S.A. – The United States of America
Militärisch entwickelte sich der Sezessionskrieg zu einem der modernsten Konflikte des 19. Jahrhunderts. Eisenbahnen ermöglichten die schnelle Verlegung grosser Truppenverbände, Telegraphen erlaubten eine vergleichsweise schnelle Kommunikation zwischen den Führungsebenen, und erstmals kamen moderne Hinterlader, gezogene Geschütze, gepanzerte Schiffe und Maschinenwaffen in grösserem Umfang zum Einsatz. Besonders bekannt wurden Schlachten wie Gettysburg, Antietam, Shiloh und Vicksburg. Die industrielle Leistungsfähigkeit des Nordens spielte dabei eine wichtige Rolle. Der Süden verfügte zwar über erfahrene Soldaten und fähige Militärführer, hatte aber deutlich geringere industrielle und wirtschaftliche Ressourcen. Nach Jahren erbitterter Kämpfe kapitulierte General Robert E. Lee am 9. April 1865 bei Appomattox Court House vor Ulysses S. Grant.
Mit dem Ende des Krieges begann die schwierige Reconstruction, also der Wiederaufbau und die politische Wiedereingliederung der ehemaligen Konföderierten Staaten. Die 13. Verfassungsänderung von 1865 schaffte die Sklaverei ab. Die 14. Änderung von 1868 regelte unter anderem die Staatsbürgerschaft und den gleichen rechtlichen Schutz, während die 15. Änderung von 1870 afroamerikanischen Männern grundsätzlich das Wahlrecht garantierte. Gleichzeitig versuchten die ehemaligen Südstaaten, ihre Gesellschaftsordnung unter neuen Bedingungen aufrechtzuerhalten. Sogenannte Black Codes schränkten die Rechte der ehemaligen Sklaven ein, und rassistische Gewaltorganisationen wie der Ku-Klux-Klan versuchten, die politische und gesellschaftliche Gleichstellung zu verhindern.
Die Reconstruction endete traditionell mit dem Jahr 1877, als die letzten Bundestruppen aus den Südstaaten abgezogen wurden. Damit verschwanden viele der während der Reconstruction erreichten politischen Möglichkeiten für die afroamerikanische Bevölkerung wieder. In den folgenden Jahrzehnten wurden im Süden zunehmend Gesetze und gesellschaftliche Strukturen etabliert, die Rassentrennung und Diskriminierung festigten. Die Bürgerrechtsversprechen der Verfassungsänderungen bestanden zwar formal weiter, wurden in der Praxis jedoch über lange Zeit massiv eingeschränkt. Bis 1890 hatte sich damit eine gesellschaftliche Ordnung herausgebildet, deren Folgen weit über das eigentliche Ende des Bürgerkriegs hinausreichten.
Für die Geschichte der Vereinigten Staaten war der Sezessionskrieg ein gewaltiger Einschnitt. Rund 620’000 Soldaten der Union und Konföderation kamen nach historischen Schätzungen ums Leben; hinzu kamen zivile Opfer und die enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zerstörungen, insbesondere im Süden. Die Union blieb erhalten und die Sklaverei wurde abgeschafft, gleichzeitig verschwanden Rassismus und Diskriminierung keineswegs mit dem Ende der Sklaverei. Der Zeitraum von den Spannungen der 1850er-Jahre bis etwa 1890 zeigt deshalb nicht nur den Krieg selbst, sondern auch den schwierigen Versuch, ein tief gespaltenes Land politisch und gesellschaftlich neu zu ordnen. Für den Militärmodellbau bietet diese Epoche ausserdem eine faszinierende Vielfalt: von den berühmten Civil-War-Infanteristen und Kavalleristen über Artillerie und frühe gepanzerte Fahrzeuge bis hin zu den zunehmend industriell geprägten Armeen des späten 19. Jahrhunderts. Ein Zeitalter, in dem man zwar schon Maschinengewehre hatte, aber offenbar noch nicht auf die Idee gekommen war, dass ein bisschen weniger Krieg ebenfalls eine ausgezeichnete Technologie gewesen wäre.
Scale Model Artist: Mario Farez Lewandowski
