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Schwerpunkt Koalisationskriege 1790 bis 1815

Dio­rama-Modell­bau

Europa im Zeitalter Napoleons

Die Koalitionskriege waren eine Reihe von Kriegen, in denen das revolutionäre Frankreich und später das napoleonische Frankreich gegen wechselnde Bündnisse europäischer Grossmächte kämpfte. Die Auseinandersetzungen begannen 1792, wenige Jahre nach der Französischen Revolution, und endeten erst 1815 mit Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo. Zu den wichtigsten Gegnern Frankreichs gehörten unter anderem Österreich, Preussen, Russland und Grossbritannien. Die Bündnisse wechselten dabei mehrfach, weshalb man von insgesamt sieben Koalitionskriegen spricht. Hinter den militärischen Auseinandersetzungen standen nicht nur territoriale Interessen, sondern auch die Angst der europäischen Monarchien vor der Ausbreitung der revolutionären Ideen aus Frankreich.

Mit dem Aufstieg Napoleon Bonapartes veränderte sich der Charakter der Kriege erheblich. Napoleon reorganisierte die französische Armee und entwickelte eine sehr bewegliche Form der Kriegsführung, bei der grosse Truppenverbände schnell zusammengezogen und einzelne gegnerische Armeen voneinander getrennt werden konnten. Siege wie bei Austerlitz 1805 gegen Österreich und Russland oder bei Jena und Auerstedt 1806 gegen Preussen machten Frankreich zur dominierenden Militärmacht auf dem europäischen Kontinent. Napoleon schuf in den folgenden Jahren ein weitreichendes politisches Herrschaftssystem und setzte Angehörige seiner Familie sowie verbündete Herrscher auf verschiedene europäische Throne. Gleichzeitig verbreiteten sich französische Rechts- und Verwaltungsreformen in den von Frankreich kontrollierten Gebieten.

Auch Afrika war von den napoleonischen Kriegen unmittelbar betroffen. Bereits 1798 begann Napoleon seinen Ägyptenfeldzug, mit dem Frankreich unter anderem den britischen Einfluss im östlichen Mittelmeer und die Verbindung Grossbritanniens nach Indien bedrohen wollte. Die französische Armee besetzte Ägypten und errang zunächst einen wichtigen Sieg in der Schlacht bei den Pyramiden. Die französische Flotte wurde jedoch kurz darauf in der Seeschlacht bei Abukir von den Briten unter Horatio Nelson weitgehend zerstört. Napoleon kehrte 1799 nach Frankreich zurück, während die französischen Truppen noch bis 1801 in Ägypten kämpften. Der Feldzug hatte damit langfristig nicht das erhoffte strategische Ergebnis, hinterliess aber bedeutende wissenschaftliche und kulturelle Spuren – unter anderem durch die mitgeführte französische Expedition von Wissenschaftlern und die Erforschung des alten Ägypten.

Nach seinen grossen Siegen in Mitteleuropa versuchte Napoleon, Grossbritannien durch eine wirtschaftliche Blockade zu schwächen. Die Kontinentalsperre sollte britische Waren vom europäischen Markt fernhalten und die britische Wirtschaft unter Druck setzen. Grossbritannien blieb jedoch aufgrund seiner mächtigen Flotte und seines weltweiten Handelsnetzes handlungsfähig. Gleichzeitig führte Napoleons Politik zu neuen Konflikten. Besonders folgenreich war der Russlandfeldzug von 1812. Die französische Grande Armée marschierte mit Hunderttausenden Soldaten nach Russland, musste sich nach der Einnahme Moskaus jedoch unter katastrophalen Bedingungen zurückziehen. Hunger, Krankheiten, Kälte, Erschöpfung und russische Angriffe führten zu enormen Verlusten. Der Feldzug schwächte Napoleons militärische Macht entscheidend und gab seinen Gegnern die Möglichkeit, eine neue Koalition aufzubauen.

Ab 1813 geriet Napoleon zunehmend unter Druck. Russland, Preussen, Österreich und weitere Staaten stellten grosse Armeen gegen Frankreich auf. In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 erlitt Napoleon eine entscheidende Niederlage und musste sich nach Frankreich zurückziehen. 1814 marschierten die Alliierten schliesslich in Paris ein, worauf Napoleon abdankte und auf die Insel Elba verbannt wurde. Seine Rückkehr 1815 führte zum letzten Abschnitt der Koalitionskriege: Während der sogenannten Herrschaft der Hundert Tage stellte sich ihm erneut eine Koalition entgegen. Am 18. Juni 1815 wurde Napoleon bei Waterloo von britischen und verbündeten Truppen unter Wellington sowie der heranrückenden preussischen Armee unter Blücher endgültig geschlagen.

Die Koalitionskriege veränderten Europa nachhaltig. Millionen Menschen waren als Soldaten oder Zivilisten von den Konflikten betroffen, zahlreiche Staaten verschwanden oder wurden neu geordnet, und die politische Landkarte Europas wurde nach 1815 auf dem Wiener Kongress grundlegend neu gestaltet. Gleichzeitig hatten die französische Revolution und die napoleonische Herrschaft Vorstellungen von Bürgerrechten, Nationalstaat und moderner Verwaltung in weite Teile Europas getragen. Für den Militärmodellbau ist diese Epoche besonders interessant, weil sich in ihr eine enorme Vielfalt an Uniformen, Waffen, Fahrzeugen und militärischen Formationen findet – von französischen Grenadieren und britischen Rotröcken bis zu preussischen Infanteristen und russischen Kosaken. Und natürlich gab es noch keine Funkgeräte, keinen GPS-Empfang und keine Drohnen: Ein General musste tatsächlich wissen, wo seine Armee war. Eine bemerkenswert altmodische Form von Stress.

Scale Model Artist: Mario Farez Lewandowski