Schwerpunkt Erster Weltkrieg 1900 bis 1925
Diorama-Modellbau
Die Zeit um den Ersten Weltkrieg – 1900 bis 1925
Der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 war die grosse Katastrophe des frühen 20. Jahrhunderts und veränderte die politische Landkarte Europas grundlegend. Seine Vorgeschichte reicht jedoch bis in die Jahrzehnte vor 1914 zurück. Nationalismus, Imperialismus, wirtschaftliche Konkurrenz, militärische Aufrüstung und ein immer dichter werdendes System von Bündnissen verschärften die Spannungen zwischen den europäischen Grossmächten. Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien standen im Dreibund Frankreich, Russland und Grossbritannien gegenüber, wobei sich die Bündnisse bis zum Kriegsausbruch weiter veränderten. Der unmittelbare Auslöser war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie ermordet wurden. Aus der anschliessenden Julikrise entwickelte sich innerhalb weniger Wochen ein europäischer Krieg, der sich bald zu einem globalen Konflikt ausweitete.
Nach den ersten schnellen Vormärschen verwandelte sich der Krieg an der Westfront in einen langwierigen Stellungskrieg. Zwischen Nordfrankreich und Belgien entstand ein kilometerlanges System aus Schützengräben, Stellungen und befestigten Unterständen. Schlachten wie Verdun und die Somme wurden zu Symbolen der industriellen Materialschlacht. Maschinengewehre, schwere Artillerie, Stacheldraht und immer leistungsfähigere Gewehre machten Frontalangriffe extrem verlustreich. Gleichzeitig kämpften die Armeen an mehreren Fronten: im Osten gegen Russland, auf dem Balkan, im Nahen Osten und in den Alpen. Auch Kolonien in Afrika und anderen Teilen der Welt wurden in den Krieg hineingezogen. Der Erste Weltkrieg war damit von Anfang an weit mehr als ein europäischer Konflikt.
Der Krieg brachte eine völlig neue Dimension militärischer Technik hervor. Artillerie entwickelte sich zur wichtigsten Waffe der Materialschlacht, während Maschinengewehre ganze Angriffe zum Stillstand bringen konnten. Ab 1915 wurden Giftgas, später auch chemische Kampfstoffe in grossem Umfang eingesetzt. Flugzeuge dienten zunächst zur Aufklärung, wurden aber bald mit Maschinengewehren und Bomben ausgerüstet. Auch Panzer hielten Einzug auf dem Schlachtfeld: Grossbritannien setzte 1916 bei der Somme erstmals Tanks in grösserem Umfang ein. Dazu kamen U-Boote, Minen, gepanzerte Fahrzeuge und moderne Kommunikationsmittel. Der Krieg zeigte damit eindrücklich, was die industrielle Revolution mit der Kriegsführung angestellt hatte – leider hatte niemand daran gedacht, die technische Entwicklung gleichzeitig mit etwas Vernunft auszustatten.
Ab 1917 verschob sich das Kräfteverhältnis zunehmend. In Russland führten die militärischen Belastungen und die politischen Spannungen zur Februar- und Oktoberrevolution. Die neue bolschewistische Regierung schloss 1918 den Frieden von Brest-Litowsk und schied damit aus dem Krieg aus. Im gleichen Jahr traten die USA auf Seiten der Entente in den Krieg ein. Die amerikanische Unterstützung brachte zusätzliche Truppen, Material und wirtschaftliche Ressourcen nach Europa. Deutschland versuchte 1918 mit grossen Frühjahrsoffensiven, an der Westfront eine Entscheidung zu erzwingen. Die Angriffe brachten zunächst erhebliche Geländegewinne, konnten den Krieg jedoch nicht entscheiden. Im Sommer 1918 gingen die Alliierten, inzwischen durch amerikanische Truppen verstärkt, zur Gegenoffensive über. Die militärische Lage der Mittelmächte verschlechterte sich nun rapide.
Im Herbst 1918 brach die politische und militärische Ordnung der Mittelmächte zusammen. Österreich-Ungarn zerfiel, im Deutschen Reich kam es zur Novemberrevolution, Kaiser Wilhelm II. dankte ab und am 11. November 1918 trat der Waffenstillstand mit Deutschland in Kraft. Der Krieg hatte mehr als vier Jahre gedauert und Millionen Menschen das Leben gekostet. Gleichzeitig hatte er ganze Gesellschaften verändert: Frauen übernahmen während des Krieges vielfach Tätigkeiten, die zuvor Männern vorbehalten gewesen waren, die Wirtschaft wurde auf die Bedürfnisse des Krieges ausgerichtet und staatliche Propaganda gewann stark an Bedeutung. Die moderne Massenkommunikation – Fotografie, Plakat, Film und Presse – wurde gezielt eingesetzt, um die Bevölkerung zu mobilisieren und die Moral aufrechtzuerhalten.
Die Folgen des Krieges bestimmten die Zeit bis weit über 1925 hinaus. Das Deutsche Kaiserreich, Österreich-Ungarn und das Russische Zarenreich verschwanden; neue Staaten entstanden, während sich die Grenzen in Mittel- und Osteuropa grundlegend veränderten. Der Versailler Vertrag von 1919 regelte den Frieden mit Deutschland und legte unter anderem militärische Beschränkungen und Reparationsforderungen fest. Gleichzeitig entstanden mit dem Völkerbund und den neuen Nationalstaaten Ansätze einer neuen internationalen Ordnung. Die Nachkriegszeit blieb jedoch von wirtschaftlichen Problemen, politischen Revolutionen, sozialen Spannungen und ungelösten nationalen Konflikten geprägt. Für den Militärmodellbau ist die Epoche besonders spannend: Sie bildet den Übergang von den bunten Armeen des 19. Jahrhunderts zu den modernen, industriell ausgerüsteten Streitkräften. Zwischen Pickelhaube, Schützengraben, Stacheldraht, frühen Tanks und Flugzeugen lässt sich kaum eine andere Epoche so schön im kleinen Massstab erzählen – obwohl die Geschichte dahinter leider alles andere als klein war.
Scale Model Artist: Mario Farez Lewandowski