Willys MB Jeep – Das automobile Rückgrat der Alliierten. Eine modellbauerische Zeitreise in 8 Akten
Zürich, im Januar 2026
Es gibt wenige Fahrzeuge in der Militärgeschichte, die einen solch ikonischen Status erreicht haben wie der Willys MB – besser bekannt als der «Jeep». General Dwight D. Eisenhower nannte ihn eines der drei entscheidenden Werkzeuge, die den Zweiten Weltkrieg für die Alliierten gewannen (neben dem C-47 Transporter und dem Landungsboot). Für uns Modellbauer ist der Jeep weit mehr als nur ein kleines 4×4-Vehikel in 1:35 oder 1:48. Er ist eine leere Leinwand, ein historisches Chamäleon, das sich je nach Kriegsschauplatz, Einheit und Aufgabe völlig verändert.
Hinweis
Ich habe speziell für meine Dioramawerke fiktive Decals erstellt, die man im Laufe des Blog-Beitrags als PDF für den privaten Gebrauch herunterladen kann.
In meiner neuesten Diorama-Serie habe ich mich diesem ultimativen Arbeitstier gewidmet. Mein Ziel war es nicht nur, das Fahrzeug an sich zu bauen, sondern seine unglaubliche Vielseitigkeit durch die Linse der Geopolitik des mittleren 20. Jahrhunderts zu betrachten. Jedes Modell erzählt eine andere Geschichte, von den staubigen Pisten Nordafrikas bis zu den gefrorenen Hügeln Koreas. Begleitet mich auf dieser Reise durch acht verschiedene Szenarien, die ich in meinen Dioramen festgehalten habe.
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Inspiration
Einleitung
Willys MB und Ford GPW
Die Geschichte des Jeeps begann mit einer fast unmöglichen Forderung des US-Militärs im Jahr 1940. Angesichts des drohenden Kriegseintritts suchte die Armee ein leichtes, geländegängiges Aufklärungsfahrzeug. Die Vorgaben waren extrem: Das Fahrzeug musste innerhalb von nur 49 Tagen als Prototyp bereitstehen. Ursprünglich reichte nur die kleine Firma American Bantam rechtzeitig einen Entwurf ein. Doch das Militär befürchtete, dass Bantam nicht über die nötigen Produktionskapazitäten verfügte. Daher wurden die Entwürfe von Bantam mit Willys-Overland und Ford geteilt. Willys präsentierte den «Quad», während Ford den «Pygmy» ins Rennen schickte. Willys gewann schliesslich den Hauptauftrag, vor allem wegen des überlegenen «Go-Devil»-Motors, der deutlich leistungsstärker war als die Antriebe der Konkurrenz.
Recherchen
Die Standardisierung
Ab 1941 wurde das Design vereinheitlicht. Das Resultat war der legendäre Willys MB. Da Willys die enorme Nachfrage allein nicht bewältigen konnte, wurde Ford als Lizenznehmer hinzugezogen. Ford baute das identische Modell unter der Bezeichnung Ford GPW (G = Government, P = 80-inch wheelbase, W = Willys engine design). Interessanterweise waren die Teile zwischen dem Willys MB und dem Ford GPW fast vollständig austauschbar – eine logistische Meisterleistung für die damalige Zeit.
Der Bau des Jeeps war auf maximale Effizienz und Einfachheit ausgelegt:
Der 2,2-Liter-Vierzylinder-Reihenmotor war robust und einfach zu warten.
Ein simpler Leiterrahmen mit Starrachsen und Blattfedern sorgte für extreme Geländegängigkeit.
Ein offener Aufbau ohne Türen, mit einer umklappbaren Windschutzscheibe. Das sparte Gewicht und Material.
Er konnte als Funkwagen, Ambulanz, Maschinengewehr-Träger oder sogar als Schienenfahrzeug (mit speziellen Rädern) eingesetzt werden.
Zwischen 1941 und 1945 wurden insgesamt etwa 640.000 Einheiten produziert. Davon entfielen rund 360.000 auf Willys-Overland und etwa 280.000 auf Ford. Der Jeep wurde an allen Fronten eingesetzt – von der Wüste Nordafrikas bis zu den Inseln des Pazifiks. General George C. Marshall bezeichnete den Jeep später als «Amerikas grössten Beitrag zur modernen Kriegsführung».
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 standen riesige Bestände an US-Fahrzeugen in Europa. Die Schweizer Armee nutzte die Gelegenheit und kaufte 1946 im Rahmen der sogenannten „Aktion Surplus“ die ersten 500 gebrauchten Jeeps (Willys MB und Ford GPW) direkt von den amerikanischen Beständen in Deutschland auf. Der Preis pro Stück betrug damals rund 3600 Franken.
Der «Jeep» in der Schweizer Armee
Eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte
Nach 1945 wurde aus dem militärischen Arbeitstier der zivile «CJ» (Civilian Jeep), der den Grundstein für die heutige Marke Jeep und die gesamte Kategorie der SUVs legte. Die schlichte, funktionale Ästhetik – wie die sieben vertikalen Schlitze im Kühlergrill – ist bis heute ein weltweit erkanntes Designmerkmal. Der Willys Jeep hat in der Geschichte der Schweizer Armee einen beinahe legendären Status erreicht: eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte. Er war nicht nur ein einfaches Transportmittel, sondern über Jahrzehnte hinweg das Rückgrat der Mobilität im Gelände.
Ab 1947 wurden auch fabrikneue zivile Modelle beschafft. Insgesamt standen über die Jahre etwa 2800 Fahrzeuge im Dienst der Schweizer Armee. Zu den wichtigsten Modellen gehörten:
Die ursprünglichen Kriegsveteranen.
Zivile Versionen, oft mit Funkgeräten (SE-206) ausgestattet.
Eine verstärkte Version, die als Träger für die rückstossfreie 10,6-cm-Panzerabwehrkanone diente.
Schweizer Besonderheiten
Die Schweizer Armee passte die Fahrzeuge an ihre spezifischen Bedürfnisse an:
- Gewehrhalterungen
Zwischen den Vordersitzen gab es oft eine spezielle Halterung für das Sturmgewehr des Fahrers. - Motordragoner-System
Eine Schweizer Besonderheit war, dass Wehrpflichtige (oft junge Bauern) einen Jeep subventioniert vom Bund kaufen konnten. Sie mussten das Fahrzeug pflegen und damit in die Rekrutenschule sowie die WKs einrücken, durften es dazwischen aber privat nutzen. - Schneeschutz
Viele Jeeps erhielten ein feines Gitter vor dem Kühlergrill, um das Eindringen von Schnee zu verhindern.
Willys MB «Jeep» der Schweizer Armee
Der Jeep war erstaunlich langlebig. Während viele andere Armeen schon früher auf modernere Fahrzeuge umstiegen, blieben die Willys-Modelle in der Schweiz bis tief in die 1980er- und teilweise sogar bis Ende der 1990er-Jahre im aktiven Dienst. Erst danach wurden sie endgültig durch den Steyr-Puch Haflinger, den Pinzgauer und später den Mercedes G-Wagon (Puch G) abgelöst.
1. Der Standard: US Army im Europäischen Kriegsschauplatz (ETO)
1/35 – Tamiya, Revell, Italeri, Verlinden, Eigenbau
Keine Jeep-Sammlung ist komplett ohne den absoluten Klassiker. Dieses Diorama zeigt den Willys in seiner ureigensten Rolle: Als Verbindungsfahrzeug der US Army in Europa, irgendwo zwischen der Normandie und den Ardennen. Historisch gesehen war dies die Masse der Produktion.
Die Herausforderung hier liegt im «Olive Drab». Es gibt nicht das eine Olivgrün. Mein Modell zeigt ein Fahrzeug, das schon einige Monate im Einsatz ist. Die Farbe ist durch Sonne und Regen leicht ausgeblichen, das «Weathering» zeigt den typischen Schlamm Nordfrankreichs. Wichtig waren mir die korrekte Darstellung der Infanteriedivision und die obligatorische Ausrüstung, die überall am Fahrzeug festgeschnallt war – von Munitionskisten bis zum persönlichen Gepäck der GIs. Es ist das Bild des GI-Alltags im Schlamm Frankreichs.
Diorama eines Willys MB «Jeep» der US Army
DIY Diorama
Free Decals 1-35 – Willy MB Jeep US Army Diorama
- Decals teilweise in Eigenproduktion
- Materialien: Kunststoff, Resin, Metall, Holz (Kaffeestäbchen), Styrodur (Bodenplatte)
Projekte
2. Die maritime Variante: US Navy «Grey Ghost»
1/35 – Tamiya, Revell, Italeri
Wir vergessen oft, dass der Jeep nicht nur grün war. Die US Navy nutzte tausende dieser Fahrzeuge für den Hafenbetrieb, auf grossen Stützpunkten im Pazifik oder sogar an Deck von Flugzeugträgern zum Schleppen von Flugzeugen.
Für dieses Diorama musste das Olivgrün weichen. Das Fahrzeug ist im typischen «Navy Grey» lackiert, einem Farbton, der eine ganz andere Alterung zeigt als das Army-Grün. Salzluft ist hier der Feind. Ich habe versucht, leichte Salzkorrosion an den Kanten und eine ausgeblichene, stumpfe Oberfläche darzustellen. Die Markierungen sind spartanisch, oft nur eine weisse «US NAVY» Schablonierung an der Seite. Ein interessanter Kontrast zum üblichen Schlamm.
Diorama eines Willys MB «Jeep» der US Navy
DIY Diorama
Free Decals 1-35 – Willy MB Jeep US NAVY Diorama
- Decals teilweise in Eigenproduktion
- Materialien: Kunststoff, Resin, Metall, Holz (Kaffeestäbchen), Styrodur (Bodenplatte)
3. Vorläufer der Air Force: USAAF «Follow Me»
1/35 – Tamiya, Revell, Italeri
Im Zweiten Weltkrieg gab es noch keine eigenständige US Air Force, sondern die United States Army Air Forces (USAAF). Auch sie brauchten den Jeep dringend – als Crew-Transporter zu den Bombern oder als «Follow Me»-Fahrzeug, um landende Flugzeuge zu ihren Parkpositionen zu lotsen.
Dieses Modell war ein Spassprojekt in Sachen Farbe. Während das Grundfahrzeug oft Olive Drab blieb, wurden «Follow Me»-Jeeps oft mit auffälligen gelben oder schwarz-weiss karierten Mustern auf der Motorhaube und dem Heck versehen, um auf dem Rollfeld sichtbar zu sein. Meine Dioramen zeigen einen solchen Jeep auf einer PSP-Platten-Piste (Pierced Steel Planking) neben dem Fahrwerk einer B-17. Ein leuchtender Farbtupfer in der sonst düsteren Kriegsszenerie.
Diorama eines Willys MB «Jeep» der US Air Force (USAF/USAAF)
DIY Diorama
Free Decals 1-35 – Willy MB Jeep US Air Force Diorama
- Decals teilweise in Eigenproduktion
- Materialien: Kunststoff, Resin, Metall, Holz (Kaffeestäbchen), Styrodur (Bodenplatte)
Projekte
4. Lend-Lease im Einsatz: Royal Army & Navy (Nordafrika & Europa)
Das «Lend-Lease»-Gesetz pumpte amerikanisches Material zu den Verbündeten, und die Briten liebten den Jeep. Besonders faszinierend finde ich die Fahrzeuge des Long Range Desert Group (LRDG) oder des frühen SAS in Nordafrika.
Hier änderte sich alles. Die Windschutzscheiben wurden entfernt, um Sonnenreflexionen zu vermeiden, Kühlergrills wurden ausgesägt für bessere Luftzufuhr, und die Fahrzeuge wurden bis an die Zähne mit Vickers- oder Browning-MGs bewaffnet. Meine Dioramen zeigen SAS-Jeeps in der Wüste, lackiert in «Desert Sand» (manchmal sogar in einem rosa-stichigen Ton für die Dämmerung) und dem bekannten Field Green am Anfang der Einsätze. Das Weathering hier ist extrem: Sandstrahl-Effekte auf dem Lack, überall Staub und überladene Ausrüstung für wochenlange Patrouillen hinter den feindlichen Linien.
Diorama eines Willys MB «Jeep» der Royal Army (LRDG/SAS)
5. Ein Zeichen der Menschlichkeit: Das Rote Kreuz
Inmitten des Schreckens war der Jeep auch ein Engel der Barmherzigkeit. Umgebaute Jeeps wurden intensiv genutzt, um Verwundete schnell von der Front zu den Verbandsplätzen zu bringen. Sie trugen keine Waffen, dafür aber Tragen-Gestelle.
Bei diesem Modell lag der Fokus auf dem Kontrast, visuell wie auch thematisch. Das Fahrzeug ist Olive Drab, aber die grossen weissen Flächen mit dem roten Kreuz auf der Motorhaube, dem Dach und den Seiten müssen absolut sauber und leuchtend sein – das war die Lebensversicherung der Besatzung gemäss der Genfer Konvention. Das Modell zeigt eine Szene in einem Diorama der Ruhe, mit Personal, die sich eine Pause gönnen. Ein emotional wichtiges Modell in dieser Serie.
Diorama eines Willys MB «Jeep» der US Army (Sanitäter Version)
6. Die Amphibien: Landungen in Italien, Normandie und Pazifik
Der Jeep musste vom Schiff an Land, oft durch tiefes Wasser. Dafür wurden spezielle «Deep Wading Kits» entwickelt – im Grunde genommen Schnorchel für den Lufteinlass und den Auspuff, und eine Menge Abdichtmasse für den Motor.
Ich habe drei kleine Vignetten erstellt, um die unterschiedlichen Schauplätze zu zeigen:
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Sizilien/Italien ’43: Ein Jeep, der gerade durch die Brandung rollt, mit einem frühen Wading-Kit.
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Omaha Beach ’44: Der Klassiker mit dem hohen Auspuff-Schnorchel am Heck, bedeckt mit nassem Sand und dem spezifischen grauen Schlamm der Normandie-Küste.
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Pazifik ’45: Hier habe ich versucht, den vulkanischen, dunklen Sand von Iwo Jima oder Okinawa darzustellen. Das Wasser-Effekt-Material war hier entscheidend, um nasse Reifen und spritzendes Wasser realistisch zu gestalten.
7. Der vergessene Krieg: Südkorea (ROKA) im Korea-Krieg
Fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Jeep wieder gebraucht. Im Korea-Krieg (1950-1953) war der Willys MB (und sein Nachfolger, der M38) wieder das Haupttransportmittel. Willys-Jeep-Modelle wurden auch nach dem Koreakrieg weiter in Armeen eingesetzt. Nachfolger wie der Willys M38A1 (ab 1952) waren bis in die späten 1950er und 1960er Jahre in vielen Streitkräften, einschliesslich der Schweizer Armee, aktiv. Zudem wurden zivile CJ-Varianten (Civilian Jeep) nach 1945 weiterentwickelt und genutzt.
Viele der Fahrzeuge waren Veteranen des Zweiten Weltkriegs, die hastig aus Depots in Japan reaktiviert wurden. Mein Diorama zeigt einen Jeep der ROKA (Republic of Korea Army). Historisch spannend ist hier die Mischung aus US-Ausrüstung und lokalen Anpassungen.
8. Sicherheit in der US Army und der Heimat: US Army Fire Department
Zum Abschluss eine farbenfrohe Anomalie. Nicht alle Jeeps fuhren an die Front. Auf grossen Stützpunkten in den USA oder im sicheren Hinterland wurden Jeeps oft als schnelle Eingreif-Fahrzeuge für die Feuerwehr oder Militärpolizei genutzt. Eingreif-Fahrzeuge für die Feuerwehr stechen heraus, weil sie rot sind. Ein sattes Feuerwehr-Rot, das im Gegensatz zu den Kampffahrzeugen sogar leicht glänzend sein darf, da diese Fahrzeuge gut gepflegt wurden. Ausgestattet mit Feuerlöschern an den Seiten, vielleicht einer kleinen Sirene auf dem Kotflügel und Schläuchen im Heck. Ein «sauberer» Bau, der zeigt, dass der Jeep auch im zivilen Dienst seinen «Dienstanzug» tragen konnte, ist hierbei eine wahre Freude gewesen.
Der Bau dieser acht Dioramen-Themen hat mir erneut gezeigt, warum ich dieses Hobby so sehr liebe. Ein einziger Bausatz-Typ kann, wenn man sich in die Geschichte vertieft, acht völlig unterschiedliche Geschichten erzählen. Der Willys Jeep ist nicht einfach nur ein Auto; er ist ein Spiegelbild der globalen Konflikte seiner Zeit.
Ich hoffe, diese kleine Exkursion hat euch gefallen und inspiriert euch vielleicht zu eurem nächsten Projekt. Achtet auf die Details, grabt in der Geschichte – es lohnt sich!
Euer,
Mario Farez Lewandowski